

Der Cenobio de Valerón ist ein beeindruckender Kornspeicher der Altkanarier, der die Bedeutung der Landwirtschaft der Ureinwohner als Existenzgrundlage sowie den Einfluss dieser auf die gesellschaftspolitische Organisation verdeutlicht.

Für die Anlage des Getreidespeichers machten sich die Altkanarier die geologischen Bedingungen des vulkanischen Kegels, der heute Montaña del Gallego genannt wird, zu Nutze. Auf Grund der Erosion war am oberen Nordhang des Kegels eine riesige, einen 20 Meter hohen und 27 Meter langen Bogen bildende Öffnung entstanden. Durch das felsige Substrat, das durch die Verdichtung von Pyroklastika entstand und gemeinhin als Tuff oder Kalkstein bezeichnet wird, d.h. als weicher Fels von geringer Festigkeit, konnten relativ leicht Höhlen in den Stein gegraben werden. Die kanarischen Ureinwohner nutzten diese als Speicherplatz.
Diese Eigenschaft des Vulkansteins sowie die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit innerhalb dieser Höhlen erwiesen sich als ideal zur Lagerung von großen Mengen Getreide und anderen lebenswichtigen Produkten. Außerdem ist der Standort des Speicherplatzes als äußerst strategisch zu erachten. Von außen ist der Speicher schwer auszumachen und durch die fast vertikale Lage fungierte der Ort als natürliche Festung. Diese war leicht gegen Überfälle und Plünderungen feindlicher Gruppen zu verteidigen, zu denen auch Piraten zählten, die oftmals die Insel auf der Suche nach Sklaven, Fellen und Getreide ansteuerten.
Die Anlage besteht aus einer Reihe von Kammern bzw. Silos, die auf verschiedenen Ebenen angelegt sind.



Von den übereinander gelagerten Galerien gelangt man in das Innere des Berges. Sowohl in den Wänden als auch in den Böden öffnen sich zahlreiche Silos unterschiedlicher Form und Größe.


Diese Vertiefungen wurden in einer bestimmten Anordnung und mit Hilfe von Stein- und Holzwerkzeugen in die Tuffwände gegraben. In den etwa 300 Höhlen wurden das Korn und andere wertvolle Gegenstände gelagert.

Um das einwandfreie Funktionieren der Anlage zu garantieren, wurden außer der Aushöhlung der Silos noch andere Arbeiten durchgeführt. Dazu gehören, zur Verbindung der verschiedenen Ebenen, die in den Fels gemeißelten Stufen, die wahrscheinlich mit Hilfe von Seilen und Holzleitern und –gerüsten angelegt wurden.
Die Art, Form und Größe der einzelnen Räume ist sehr unterschiedlich und reicht von einfachen winzigen Silos zu sehr großen auf mehreren Stockwerken angelegten Höhlen. Viele nebeneinander liegende Silos sind durch kleine Öffnungen miteinander verbunden. Die erhaltenen Funde zeugen von einem durchdachten Innenausbau im Hinblick auf die Wände, Decken und Böden. Außerdem verweisen sie auf die Reparatur von Rissen, auf die Versiegelung zur Abdichtung usw. Von besonderer Bedeutung sind überdies die Verschlusssysteme der Altkanarier, mit denen sie sowohl die Haupteingänge als auch die einzelnen Abteile der Silos verschlossen.



Bei vielen Silos sind heute noch die Spuren der Verschlusssysteme zu sehen, d.h. um den Durchmesser der Öffnung verlaufende Rillen, in denen die Türen oder Deckel verankert wurden. Diese bestanden meist aus Holz bzw. Steinplatten, manchmal auch aus Fellen oder aus Pflanzenfasern gewebten Stoffen. Die nach dem Anbringen der Deckel verbleibenden Lücken wurden mit aschfarbenem Mörtel versiegelt, um mittels dieser Abdichtung die Haltbarkeit der darin gelagerten Produkte zu garantieren. Dieser Mörtel wurde ebenfalls zur Versiegelung von Rissen und kleinen Löchern im Siloinneren verwendet.
Cenobio de Valerón © 2008